Forschungszentrum Jülich und Brainergy Park sind als besonders relevante Anbindungsziele in der Variantenprüfung enthalten
Köln/Gelsenkirchen. Mit der Präsentation der Bewertungsmatrix erreicht die Machbarkeitsstudie „Reaktivierung und Neubau der Revierbahn West“ erneut ein wichtiges Zwischenziel: go.Rheinland und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) präsentierten heute im Rahmen der vierten Sitzung des Lenkungskreises die vollständige Bewertungsmatrix für die zwölf untersuchten Trassenvarianten (je sechs in den Lupenräumen 1 und 2) der Revierbahn West. Mit diesem entscheidenden Schritt rückt die Ermittlung der Vorzugsvarianten in den beiden Lupenräumen in greifbare Nähe.
Zwölf Varianten – zwei Lupenräume
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden zusammen mit den Kommunen im Untersuchungsraum für zwei Lupenräume insgesamt zwölf Trassenvarianten mit Hilfe der Raumwiderstandsanalyse und der Haltepunktverortung entwickelt und vertieft untersucht. Lupenraum 1 umfasst den Korridor zwischen Aachen und Jülich, Lupenraum 2 den Bereich zwischen Jülich und der Erft-Achse (Bergheim/Bedburg). Für jeden Lupenraum wurden jeweils sechs Varianten – vier regionale Varianten (LR_R) und zwei schnelle Varianten (LR_S) – erarbeitet.
Die regionalen Varianten legen den Fokus auf eine engmaschige Erschließung der Region und binden möglichst viele zentrale Siedlungs- und Wirtschaftsbereiche an. Die schnellen Varianten priorisieren hingegen höhere Reisegeschwindigkeiten und kürzere Fahrzeiten zwischen den Hauptverkehrsknoten bei etwas geringerer Haltestellendichte.
Bewertungsmatrix: strukturierter Vergleich in drei Hauptkategorien
Die Bewertungsmatrix bildet das methodische Herzstück der Variantenabwägung. Sie ermöglicht einen systematischen, nachvollziehbaren Vergleich der Varianten innerhalb definierter Bewertungskategorien.
Die Bewertungsmatrix gliedert sich in drei Hauptkategorien: „Raumwiderstand“, „Attraktivität“ sowie „Technik und Betrieb“. Im Raumwiderstand wird bewertet, wie stark eine Trasse in bestehende Raumstrukturen eingreift. Die Attraktivität bewertet, wie gut eine Variante die verkehrliche Erschließungsqualität der Region verbessert und relevante Ziele anbindet. Die Kategorie Technik und Betrieb widmet sich der Bewertung der technisch-betrieblichen Machbarkeit und bewertet die Umsetzbarkeit und den Aufwand der Varianten unter infrastrukturellen und betrieblichen Gesichtspunkten.
Bei der Bewertungsmatrix werden die Varianten ausschließlich innerhalb der jeweiligen Bewertungskategorie miteinander verglichen – eine Gewichtung oder Verrechnung der Hauptkategorien untereinander findet bewusst nicht statt. Landesverkehrsminister Oliver Krischer: „Die Revierbahn West ist ein zentrales Verkehrsprojekt der Zukunft fürs Rheinische Revier. Wir brauchen Klarheit und einen Konsens in der Region über die Trasse, damit die konkrete Planung beginnen kann. Die Studie schafft dafür die nötige sachliche und fachliche Grundlage, damit dieses Zukunftsprojekt vorangehen kann.“
„Mit der vorliegenden Bewertungsmatrix haben wir nun das entscheidende Instrument zur Ermittlung der Vorzugsvarianten an der Hand. Sie schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und eine solide Grundlage für die gemeinsame Entscheidungsfindung. Im engen Austausch mit den Kreisen und Kommunen ist es gelungen, wichtige Entwicklungsgebiete wie das Forschungszentrum Jülich und den Brainergy Park in die Untersuchung einzubinden. Nun werden wir uns schrittweise den Vorzugsvarianten in den jeweiligen Lupenräumen annähern – immer mit dem Ziel, die bestmögliche Lösung für die gesamte Region zu finden“, fasst go.Rheinland-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober den Arbeitsschritt zusammen.
„Die analytische Grundlage ist gelegt – jetzt sind die Kommunen und Kreise am Zug. Es gilt, im konstruktiven Dialog einen Kompromiss zu erarbeiten, der die unterschiedlichen Interessen der Region vereint und zugleich den größtmöglichen Nutzen für die Mobilität und die wirtschaftliche Zukunft unserer Heimat sichert. Diese Aufgabe nehmen wir mit großer Verantwortung an“, verweist Oliver Wittke, Vorstandssprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, auf den nun anstehenden Prozess.
Von Anfang an gemeinsam: enge Einbindung der Kommunen und Schieneninfrastrukturunternehmen
Ein zentrales Merkmal der Machbarkeitsstudie Revierbahn West ist der konsequent partizipative Ansatz: Von Beginn an wurden die beteiligten Kommunen und Schieneninfrastrukturunternehmen aktiv in den Planungsprozess eingebunden. Ihre Hinweise, Wünsche und lokalen Kenntnisse sind unmittelbar in die Variantenentwicklung eingeflossen – von der Raumanalyse über die Haltepunktverortung bis hin zur konkreten Trassenführung.
So wurden auf ausdrücklichen Wunsch der kommunalen Partner und unter Berücksichtigung methodischer Benchmark-Kriterien eigene Trassenvarianten berechnet, die die zukünftige Entwicklung der Region in den Blick nehmen. Zu den prominentesten Beispielen zählen der Brainergy Park in Jülich – ein zukunftsweisendes Innovations- und Technologiezentrum –sowie das Forschungszentrum Jülich, eines der größten multidisziplinären Forschungszentren Europas. Beide Standorte stehen exemplarisch für die wirtschaftliche und wissenschaftliche Strahlkraft der Region und wurden daher als besonders relevante Anbindungsziele in die Variantenprüfung aufgenommen.
Darüber hinaus flossen weitere kommunale Entwicklungsziele und strukturpolitische Überlegungen in die Haltepunktverortung und Trassenführung ein. Dieser dialogorientierte Prozess stellt sicher, dass die Revierbahn West nicht am Reißbrett entsteht, sondern die konkreten Bedürfnisse und Zukunftsperspektiven der Region widergespiegelt werden.
Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, betont: „Im Rheinischen Revier wird Zukunft neu gedacht. Die Revierbahn West bietet die Möglichkeit, wichtige Strukturwandelprojekte und Leuchtturmstandorte im Kernrevier künftig attraktiv an die Schiene anzubinden. Wichtig bei der Trassenfindung ist daher eine Berücksichtigung dieser wichtigen Zukunftsprojekte und ihrer strukturpolitischen Bedeutung ebenso wie eine enge Abstimmung mit den betroffenen Kommunen.“
Im nächsten Schritt sind die Kommunen und Lenkungskreismitglieder nun aufgefordert, auf Grundlage der Ergebnisse der Bewertungsmatrix Stellungnahmen zur erarbeiten, in denen sie die von ihnen favorisierten Varianten herausstellen und dies begründen. Ziel ist es, auf dieser Basis die Vorzugsvarianten in beiden Lupenräumen zu identifizieren.
Nächste Schritte: politische Entscheidung im zweiten Halbjahr 2026
Gemäß dem aktualisierten Projektzeitplan ist die abschließende politische Entscheidung über die Vorzugsvarianten durch die Verbandsversammlung des Zweckverbands go.Rheinland für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Bis dahin werden die Ergebnisse der Bewertungsmatrix innerhalb der Kommunen mit der Politik diskutiert, um dann anhand eingereichter kommunaler Stellungnahmen einen für die Region optimalen Kompromiss zu erarbeiten.
Nach der politischen Entscheidung werden die Vorzugsvarianten auf ihre betriebliche und technische Machbarkeit hin untersucht. Im Rahmen dieser Machbarkeitsanalyse wird auch eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) durchgeführt. Zusätzlich erfolgt eine Betrachtung beider Lupenräume im Verbund, um eine durchgängige Vorzugsvariante zu identifizieren.
Der Bedarf der Revierbahn West ist bereits durch das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) anerkannt, jedoch sind bislang keine weiteren finanziellen Mittel bereitgestellt worden. Der in der NKU ermittelte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) ist eine wichtige Grundlage, um Eingang in das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zu finden und stellt eine Alternative für die weitere Finanzierung des Vorhabens dar, sofern der NKI größer als 1 ist. Gegebenenfalls kommt eine Finanzierung dann auch nur für Teilbereiche der Revierbahn West in Frage. Die Raumanalyse und die Machbarkeitsstudie zur Revierbahn West sollen Anfang 2027 abgeschlossen vorliegen.
Hintergrund
Im Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) ist festgehalten, dass ein „S-Bahn-Netz Rheinisches Revier“ ausgebaut werden soll. Auf Antrag von go.Rheinland und VRR fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über das Bundesförderprogramm „Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten (STARK)“ fünf SPNV-Machbarkeitsstudien für das Rheinische Revier.
Hinweis für die Redaktionen:
Im Anhang finden Sie ein Handout mit der Bewertungsmatrix und einer Kurzbeschreibung aller Varianten.
Link zu den Trassenvarianten und der Bewertungsmatrix: https://wir.gorheinland.com/ausbau/rheinisches-revier/machbarkeitsstudien/machbarkeitsstudien/revierbahn-west/
