Verschiebung der Korridorsanierung hätte negative Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit des Streckenabschnitts
Köln. Die derzeitige Diskussion, die für 2028 geplante Korridorsanierung der Linken Rheinstrecke zwischen Köln und Mainz abzusetzen, sorgt in den go.Rheinland-Gremien für große Irritationen. Jörg Hamel, Vorsitzender der go.Rheinland-Verbandsversammlung, betont: „Zum aktuellen Zeitpunkt haben wir noch keine gesicherten Informationen über die Umplanung der Korridorsanierung vorliegen. Wir warnen jedoch eindringlich davor, das bereits abgestimmte Konzept zu verwerfen. Im Sinne unserer Fahrgäste muss die Sanierung stattfinden. Nur so können wir zukünftig auf der linken Rheinseite ein leistungsfähiges und verlässliches Angebot auf der Schiene ermöglichen.“
Derzeit läuft auf der rechten Rheinseite die Sanierung des Korridors zwischen Troisdorf und Wiesbaden. Laut der Deutschen Bahn liegen die Arbeiten im Zeitplan, sodass auf der momentan komplett gesperrten Strecke voraussichtlich ab Mitte Dezember wieder die Züge rollen können. „Hier wird von den Bauunternehmen gegenwärtig eine sehr gute Leistung erbracht. Eine solche Sperrung bedeutet zwar massive Beeinträchtigungen für die Bahnreisenden. Diese werden jedoch in Kauf genommen, da anschließend eine modernere Infrastruktur auch einen qualitativ hochwertigeren Nahverkehr ermöglichen wird“, so Marcus Kitz, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Verbandsversammlung.
Sollten die dringend notwendigen Baumaßnahmen auf der linken Rheinstrecke entfallen, drohen dort massive negative Auswirkungen für die Fahrgäste. Dierk Timm, Fraktionsvorsitzender der SPD in den go.Rheinland-Gremien: „Der Abschnitt zwischen Remagen und Hürth-Kalscheuren wurde von der DB bereits 2016 als überlastet erklärt. Dies ist ein für ganz Europa wichtiger Korridor, in dem sich Nah-, Güter- und Fernverkehr die Kapazitäten gegenseitig streitig machen. Die Erneuerung der überalterten und störanfälligen Infrastruktur muss möglichst schnell stattfinden. Sie darf keinesfalls auf die lange Bank geschoben werden.“
Einen Sperrzeitraum, in dem 2028 Baumaßnahmen stattfinden, wird es nach den go.Rheinland derzeit vorliegenden Informationen auf jeden Fall geben. Sollten diese Arbeiten jedoch nicht als „Korridorsanierung“ klassifiziert werden, stehen große Fragezeichen hinter der Finanzierung der einzelnen Maßnahmen und des Schienenersatzverkehrs (SEV). „Wir fordern den Bund und die DB auf, die Beratungen zur Anpassung der Sanierungskonzepte nicht hinter verschlossenen Türen, sondern unter Beteiligung der SPNV-Branche zu führen. Sollte die Korridorsanierung abgesagt werden, erwarten wir eine finanzielle Beteiligung an der Finanzierung der übrigbleibenden Baumaßnahmen und des SEV“, so Ingo Steiner, Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der Verbandsversammlung.
Die Gremienpolitiker betonen zudem, dass die Städte und Kommunen auf der linksrheinischen Strecke bereits ihre eigenen Baumaßnahmen auf die Korridorsanierung abgestimmt haben. Diese kommunalen Bauprojekte wären bei einer Absage der Korridorsanierung ebenfalls betroffen und müssten im schlimmsten Fall abgesagt oder verschoben werden. Gleiches gilt für die vielen Firmen entlang der Strecke, die neue Logistikkonzepte für sich erarbeiten mussten. Bei einem Entfall der Korridorsanierung drohen hier erhebliche Mehrkosten für die regionale Wirtschaft. Auch für die im Anschluss anstehenden Arbeiten an mehreren Kölner Brücken oder die Sanierung der Strecke Köln – Aachen hätte eine Absage der Korridorsanierung negative Konsequenzen, da auf den Schienenwegen weniger Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen würden. Zudem befürchten die Gremiensprecher, dass der gesamte Zeitplan der verschiedenen Korridormaßnahmen im Rheinland nicht eingehalten wird und auch bereits geplante und kommunizierte Maßnahmen wie beispielsweise die Sanierung der Strecke zwischen Köln und Aachen verschoben werden könnte.
go.Rheinland ist Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV), Fördergeber für Investitionen in den ÖPNV und den SPNV sowie Träger regionaler Mobilitätskonzepte im Rheinland.
Eine entsprechende Resolution der politischen Fraktionen in der go.Rheinland-Verbandsversammlung finden Sie hier zum Downloaden:
