Grüner Mobilhof in Bergisch Gladbach
Bergisch Gladbach. Der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) hat für den Grünen Mobilhof in Bergisch Gladbach zwei Förderbescheide in Höhe von insgesamt 29,5 Millionen Euro erhalten. Damit ist ein weiterer wichtiger Meilenstein bei einem der größten Bauprojekte in der Geschichte der RVK erreicht. Über die Bewilligungsbehörde go.Rheinland hat die RVK insgesamt zwei Förderbescheide erhalten: Mit rd. 8,6 Mio. Euro hat go.Rheinland im Zuge des Neubaus den Erwerb des Grundstücks und die Herrichtung des Geländes sowie die Herstellung der Flächen der Abstellanlage gefördert. Mit dem heute übergebenen Bescheid fördert das Land Nordrhein-Westfalen u.a. die Errichtung der Wasserstofftankstelle, den Elektrolyseur, die Ladeeinrichtungen für die Elektrobusse sowie die Beschaffung von spezifischer Werkstatteinrichtung mit einer Zuwendung von rd. 20,9 Mio. EUR.
Auch auf der Baustelle sind deutliche Fortschritte sichtbar. Nach intensiven Bodenarbeiten werden die Rohbauarbeiten bereits im kommenden Herbst abgeschlossen sein.
32 Busstellplätze mit E-Ladesäulen
Der Grüne Mobilhof umfasst eine Inspektionshalle, ein Parkdeck, ein Verwaltungsgebäude, eine Fahrzeugwaschanlage, einen Buscarport und eine Wasserstofftankstelle mit eigener Wasserstoffproduktion. Über 40 Busse finden dort Platz. 32 Busstellplätze werden mit E-Ladesäulen versehen. Mit der direkten Anbindung an die Friedrich-Ebert-Straße und der benachbarten Autobahnanschlussstelle Bensberg ist der Grüne Mobilhof für die RVK optimal angebunden. Marcel Kreutz, Bürgermeister von Bergisch Gladbach: „Mit dem heutigen Termin setzen wir ein sichtbares Zeichen für die Mobilität von morgen. Der Grüne Mobilhof steht für Klimaschutz, Innovation, Wasserstofferzeugung durch erneuerbare Energien vor Ort sowie einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr und damit für eine lebenswerte Zukunft in Bergisch Gladbach.“
RVK steigt in die Produktion von grünem Wasserstoff ein
Das technische Herzstück des GMH wird die Wasserstoffanlage mit einer Wasserstofftankstelle und einem Elektrolyseur zur Produktion von Wasserstoff sein. Der Elektrolyseur kann 36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren. Ein Wasserstoffbus besitzt in der Regel einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 16 Kilogramm Wasserstoff. Die RVK wird in Zukunft am GMH pro Stunde also etwas mehr als zwei Tankfüllungen für Wasserstoffbusse produzieren. Um den Wasserstoff zu verflüssigen und zu verdichten, wird er in der Anlage bis auf minus 40 Grad Celsius abgekühlt. Bei der Produktion des Wasserstoffs im Elektrolyseur entsteht hingegen Abwärme. Diese wird am GMH als Nahwärme für die Gebäude genutzt. Zudem hält die RVK mit der Abwärme die Zufahrt zu dem Betriebshof und die Waschanlage frostfrei.
Ausschließlich Ökostrom wird genutzt
Die Produktion von Wasserstoff ist energieintensiv und erfüllt nur dann höchste ökologische Standards, wenn der benötigte Strom aus regenerativen Quellen kommt. Nur unter dieser Voraussetzung entsteht der sogenannte grüne Wasserstoff. Die RVK hat zu diesem Zweck die Stromversorgung ausgeschrieben. Infrage kommen Photovoltaik– und Windkraftanlagen. Künftig muss regelmäßig nachgewiesen werden, dass zum Zeitpunkt der Wasserstoffproduktion Strom aus den beauftragten Anlagen ins Netz eingespeist wird.
Hohe ökologische Standards am GMH
Am GMH setzen die RVK, der Rheinisch-Bergische Kreis und die Stadt Bergisch Gladbach höchste ökologische Standards um: Alle freien Dachflächen der Gebäude sind sowohl begrünt als auch mit Photovoltaikanlagen versehen. Die extensiven Dachbegrünungen fördern die Biodiversität. Über die Solarzellen kann der Eigenbedarf an Strom des Grünen Mobilhofs gedeckt werden – ausgenommen der Elektrolyseur. Produziert die Photovoltaikanlage über den Eigenbedarf hinaus einen Überschuss, wird dieser mithilfe von Batterien zwischengespeichert und zum Laden der E-Busse genutzt. Niederschlagswasser wird über die Dächer aufgefangen und zur Bewässerung der Grünanlagen vor Ort eingesetzt. Die Fahrzeugwaschanlage ist mit einem geschlossenen Wasserkreislauf versehen. Das Waschwasser wird innerhalb dieses Kreislaufs aufbereitet. Damit muss nur ein geringer Anteil an Frischwasser zugeführt werden, um beispielsweise Verdunstung zu kompensieren.
Der Grüne Mobilhof ist nicht nur ein Leuchtturmprojekt für die nachhaltige Mobilität im Rheinisch-Bergischen Kreis, sondern wird auch ein Aushängeschild für Nordrhein-Westfalen sein. Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehrs des Landes Nordrhein-Westfalen: „Auch dieses zukunftsweisende Projekt unterstützen wir als Land Nordrhein-Westfalen gerne. Mit dem neuen Grünen Mobilhof machen wir Bergisch Gladbach fit für die Zukunft. Gleichzeitig ist er ein wichtiger Schritt für die Verkehrswende und den Klimaschutz in ganz Nordrhein-Westfalen.“
RVK-Geschäftsführer Marcel Frank: „Mit dem Grünen Mobilhof und dem in der Planung befindlichen Aus- und Weiterbildungszentrum für klimaneutrale und digitale Mobilität in Mechernich realisiert die RVK zwei Großprojekte, mit denen wir die Weichen in Richtung einer modernen und zukunftsfähigen Mobilität stellen. Damit tragen wir zum Erreichen der Klimaziele bei, wie sie von der Bundesregierung und der Europäischen Union gesetzt werden. Der Grüne Mobilhof ist auf diesem Weg ein herausragender Meilenstein.“
Holger Fritsch, Bereichsleiter ÖPNV-Investitionsförderung bei go.Rheinland: „Busse mit Wasserstoff im Tank werden dort gebraucht, wo der rein elektrische Betrieb an Grenzen stößt. Hier wird demonstriert, wie eine optimale, lokale Wertschöpfungskette aussieht. Daher fördern wird den Grünen Mobilhof im Sinne eines Fortschritts bei der Umstellung auf einen umweltfreundlichen Busverkehr sehr gerne.“
Arne von Boetticher, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises: „Mit dem Grünen Mobilhof setzen wir ein starkes Zeichen für klimafreundliche Mobilität und technische Innovation im Rheinisch-Bergischen Kreis. Die jetzt zugesagten Fördermittel und die sichtbaren Fortschritte auf der Baustelle zeigen, dass wir gemeinsam mit der RVK einen wichtigen Schritt für einen leistungsfähigen, modernen und nachhaltigen öffentlichen Nahverkehr gehen.“
Svenja Udelhoven, Aufsichtsratsvorsitzender der Regionalverkehr Köln GmbH: „Klimaschutz kostet Geld, ebenso wissen wir, dass die finanzielle Situation der kommunalen Kassen extrem angespannt ist. Umso dankbarer sind wir dafür, dass wir für dieses 60 Millionen Euro Projekt Fördermittel von insgesamt 29,5 Millionen Euro von go.Rheinland erhalten haben.“
Kosten- und Zeitplan eingehalten
Der Bau des Grünen Mobilhofs befindet sich weiterhin im kalkulierten Kostenplan von rund 60 Millionen Euro. Auch der Zeitplan wird nach jetzigem Stand der Arbeiten eingehalten. Als erster Bestandteil des Grünen Mobilhofes soll Ende des Jahres die Wasserstoffeinheit fertiggestellt sein und anschließend ihren Betrieb aufnehmen. Die Arbeiten an den Gebäudekomplexen des GMH werden voraussichtlich Mitte 2027 abgeschlossen sein.
