
Mit der Tarifreform von AVV und VRS beginnt im Juni 2026 eine neue Ära für den öffentlichen Nahverkehr im Rheinland. Ziel ist es, die Nutzung des ÖPNV so einfach wie nie zuvor zu gestalten. In unserem 3-Fragen-Interview geben Katrin Bünten, Prokuristin und Leiterin Tarif, Vertrieb und Einnahmenaufteilung bei der AVV GmbH, und Sascha Triemer, Prokurist und Leiter Tarif/Vertrieb bei der VRS GmbH, spannende Einblicke in die Vorteile für Fahrgäste, die Hintergründe des mehrstufigen Reformprozesses und einen Ausblick auf die Zukunft des Tarifsystems im Rheinland.
Mit der ersten Umsetzungsstufe der Tarifreform von AVV und VRS entsteht ab Juni 2026 eine völlig neue Tarifwelt. Welche Vorteile erwarten die Fahrgäste?
Katrin: Neben dem Deutschlandticket und eezy.nrw wird der Gemeinschaftstarif von VRS und AVV ab Juni 2026 die dritte Säule unserer neuen Tarifwelt bilden. Es macht dann keinen Unterschied mehr, ob man als Fahrgast im AVV- oder VRS-Gebiet unterwegs ist. Dadurch wird die Nutzung des ÖPNV im Rheinland so einfach wie nie.
Sascha: Die Tarifreform betrifft im Grunde genommen die zehn Prozent der Fahrten aus dem Bartarif, die bisher mit Einzel- oder 24StundenTickets gemacht wurden. Für die Fahrgäste wird das Tarifportfolio ab Juni 2026 deutlich schlanker und somit übersichtlicher: Statt 16 Preisstufen in AVV und VRS gibt es zunächst vier, ab Juni 2028 nur noch drei.
Im Juni 2028 tritt die zweite Stufe der Tarifreform in Kraft. Warum hat man sich für diesen mehrstufigen Migrationsprozess entschieden?
Sascha: Ein zentraler Aspekt für die erfolgreiche Umsetzung der Tarifreform und damit die Vereinfachung der ÖPNV-Nutzung ist aus unserer Sicht, die Fahrgäste noch besser mit eezy.nrw vertraut zu machen. Die zweijährige Migrationsphase möchten wir gezielt nutzen, um den smartphonebasierten Luftlinientarif weiter zu stärken. In eezy.nrw steckt enormes Potenzial und ist bereits heute in den meisten Fällen auch preislich die attraktivste Lösung.
Katrin: Wir wissen, dass der Luftlinientarif eezy.nrw bei den Fahrgästen, die ihn nutzen, immens beliebt ist. Bei einer landesweiten Befragung im Frühjahr 2025 ergab sich eine Weiterempfehlungsrate von 93 Prozent. Darauf möchten wir aufbauen. Denn eezy.nrw steht für Einfachheit und Preissicherheit. Es sind keinerlei Tarifkenntnisse nötig und ein Preisstopp garantiert, dass die Kosten für monatliche Fahrten in ganz NRW in der 2. Klasse nie teurer sind als das Deutschlandticket.
Werfen wir gemeinsam einen Blick in die Zukunft und schauen auf das Jahr 2028: Was erfüllt Euch mit Stolz, wenn Ihr auf die Tarifreform blickt?
Katrin: Mit der zweiten Stufe wird die neue Tarifwelt im Rheinland im Juni 2028 dann komplett sein: ein einheitlicher Gemeinschaftstarif für AVV und VRS mit nur noch drei Preisstufen, die volle Integration von eezy.nrw und das Deutschlandticket. Damit ist der Zugang zum ÖPNV für die Fahrgäste so unkompliziert wie nie zuvor – egal ob spontan per App oder mit dem Deutschlandticket im Abo. Unser Ziel, Einfachheit und Übersichtlichkeit zu schaffen, ist damit erreicht.
Sascha: Im Juni 2028 hat sich der Tarifdschungel spürbar gelichtet. Ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung mit unseren Fachkolleginnen und -kollegen in den beiden Verbundgesellschaften und unter Einbeziehung von Politik und Verkehrsunternehmen, einen Tarif für das Rheinland zu gestalten, der sowohl wirtschaftlich als auch im Sinne der Fahrgäste nutzerfreundlich ist.