Rückgang der Zugausfälle

Aufgrund des seit einigen Jahren ausgeprägten Baugeschehens sowie einer angespannten Personalsituation ist der Anteil der Zugausfälle im go.Rheinland-Gebiet auf ein vergleichsweise hohes Niveau gestiegen. Für das Jahr 2024 wurde ein neuer Rekordausfall erreicht, 2025 gingen die Werte wieder zurück. Gleichzeitig fällt auf, dass der Anteil nicht vorhersehbarer Zugausfälle, von denen der Fahrgast erst am Bahnsteig erfährt, deutlich gesunken ist.

Ursache des Baugeschehens sind in erster Linie Instandhaltungsnahmen. Nachdem über Jahrzehnte zu wenig in den Erhalt und die Modernisierung der Schieneninfrastruktur investiert wurde, stieg das Baugeschehen seit 2019 deutlich an. Diese eigentlich positive Entwicklung führte allerdings gleichzeitig zu langfristigen Streckensperrungen und damit verbundenen Angebotseinschränkungen. Die Korridorsanierungen der DB InfraGo werden das Rheinland erst ab 2026 betreffen. Informationen zur Entwicklung des Umfangs im Baugeschehen enthält der Beitrag „baubedingte Einschränkungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV)“. 

Neben der Instandhaltung ist es ein wichtiges Ziel von Go.Rheinland, den bedarfsgerechten und zukunftsfähigen Ausbau der Schieneninfrastruktur voranzutreiben. In diesem Zusammenhang sind die Infrastrukturprojekte „Bahnknoten Köln“, „Bahnknoten Aachen“, „Rhein-Ruhr-Express“ oder auch Streckenelektrifizierung und Ausbau der S-Bahn Rheinland zu nennen. Im Jahr 2025 waren etwa 60 % der Ausfälle auf Bauarbeiten an der Infrastruktur zurückzuführen.

Für das go.Rheinland-Gebiet kann nach einer erheblichen Verschlechterung im Jahr 2024 im Jahr 2025 eine leichte Verbesserung der Ausfallsituation festgestellt werden. Die durchschnittlichen Zugausfälle stiegen von 10,7 % im Jahr 2023 auf 16,5 % im Jahr 2024 und sanken dann auf 14,8 % im Jahr 2025. Dies entspricht für 2025 einer Verbesserung von 10 % gegenüber 2024 und einer Verschlechterung von 39 % gegenüber 2023.

Aktionsprogramm der Aufgabenträger

Im Laufe des Jahres 2025 konnte durch das Aktionsprogramm „Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“ der SPNV-Aufgabenträger in NRW die große Problematik der personalbedingten Zugausfälle deutlich reduziert werden. Dabei fokussierte sich das Aktionsprogramm auf die zwei Bereiche Betrieb und Personal mit Begleitung durch ein regelmäßiges und standardisiertes Reporting der Personallage und der betrieblichen Performance.

Als erster Baustein wurden vorübergehende Leistungsreduzierungen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) abgestimmt. Mittels Fahrplananpassungen konnte das verbleibende Angebot mit dem tatsächlich vorhandenen Personal zuverlässig erbracht und für die Fahrgäste insgesamt verlässlicher werden. Über die Gewinnung und Qualifizierung zusätzlicher Triebfahrzeugführer*innen wurden personalbedingte Ausfälle im Angebot der EVU nachhaltig vermieden. Dafür wurde als zweiter Baustein des Aktionsprogramms eine neue Qualifizierungsoffensive gestartet, die auf den Erfahrungen der Beschäftigungsoffensive vom Landesprogramm Fokus Bahn aufsetzte. Für die Durchführung des Reportings verpflichteten sich die EVU im Rahmen der Unterzeichnung der Branchenvereinbarung zur monatlichen Zulieferung definierter Personalkennzahlen und zur täglichen Lieferung der betrieblichen Entwicklung jeder Linie der EVU.

Die Stabilisierung der ungeplanten personalbedingten Ausfallquoten auf einem Großteil des Leistungsangebots - auch nach der Wiederaufnahme von Betriebsleistungen - zeigt, dass sich die Branche weiterhin auf dem richtigen Weg befindet. Standort- und linienspezifische Ausnahmen werden mit erkennbarem Aufwand in den Qualifizierungsaktivitäten adressiert. Eine Rückkehr zum Regelfahrplan erfolgte zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025. Weitere Leistungsreduzierungen waren und sind auch künftig nicht vorgesehen. Für das Jahr 2026 wird eine stabile betriebliche Lage mit Regelfahrplan erwartet.

Die hohen Qualifizierungsanstrengungen der EVU verkleinerten die Bedarfslücke sukzessive. In Summe werden im Jahr 2026 ca. 600 Mitarbeiter*innen zur weiteren Reduktion der Lücke nach Produktivsetzung und Berücksichtigung von Abbruch- und Durchfallquoten beitragen. Hier gilt es, die Nachhaltigkeit der Erfolge sicherzustellen und weitere Herausforderungen, wie z.B. die Ausbildungsqualität, gezielt anzugehen. Zu diesem Zweck haben die Aufgabenträger in Zusammenarbeit mit dem Landesprogramm Fokus Bahn und der VDV Academy & Training GmbH die Umsetzung eines Qualitätsprogramms SPNV-NRW im Jahr 2026 initiiert, das gezielt Möglichkeiten schafft, um die Personallage nachhaltig zu stabilisieren.

Produktvergleich: Rückgang der Ausfälle gegenüber 2024 in allen Produktgruppen, allerdings Zunahme im Vergleich zu 2023

  • Die drei Produktgruppen Regionalexpress (RE), Regionalbahn (RB) und S-Bahn haben sich gegenüber 2024 verbessert, am deutlichsten nahmen die Ausfälle bei den RE-Linien ab.
  • Hintergrund für das insgesamt hohe Niveau ist in erster Linie die ausgeprägte Bautätigkeit im Schienennetz. Im Jahr 2023 waren etwa 63 % der Ausfälle direkt auf Baumaßnahmen zurückzuführen, im Jahr 2024 waren es ca. 50 % und im Jahr 2025 etwa 60 %.
  • Weiterhin mussten Zugleistungen nicht vorhersehbar aufgrund fehlenden Personals (in erster Linie fehlende Zugführer*innen) entfallen. Aber auch der Personalmangel in den Bereichen Werkstatt und Leittechnik wirkte sich negativ auf die Qualität aus. Im Jahr 2023 konnten ca. 21 % der Zugausfälle dieser Ursache zugeordnet werden, im Jahr 2024 waren es ca. 23 % und im Jahr 2025 etwa 3 %.
  • Im Jahr 2024 gab es einen GDL-Streik (im Januar und im März). Daraus resultierte fast die Hälfte (48 %) der nicht vorhersehbaren personalbedingten Ausfälle im Gesamtjahr 2024. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Anteil der Ausfälle aufgrund eingeschränkter Personalverfügbarkeit im Laufe der Jahre zurückging.
  • Zu den personalbedingten Ausfällen kamen 2025 weitere 11 % Zugausfälle hinzu, die auf die geplanten Leistungsreduzierungen (Aktionsprogramm) bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 zurückzuführen sind. Diese Maßnahmen betrafen die Linien RE 4, RE 6, RE 7 sowie RB 48.

Für etwa 40 % der Zugausfälle im Jahr 2025 wurden Ersatzverkehre angeboten.

RE-Linien – Zunahme der Ausfälle im Jahr 2024, leichter Rückgang im Jahr 2025

  • Die Linien RE 12 und RE 22, die auf der Eifelstrecke verkehren, waren im Jahr 2021 intensiv durch das Unwetter „Bernd“ betroffen. Infolgedessen wurden nicht nur eine Reihe von Instandsetzungsmaßnahmen auf verschiedenen Abschnitten gestartet, sondern die Strecke gleichzeitig auch elektrifiziert. Die Ausfälle auf dieser Strecke waren 2025 größtenteils baubedingt.
  • RE 4: Auf dieser Linie konnte eine deutliche Zunahme an Zugausfällen registriert werden. Diese waren zum größten Teil personalbedingt, teilweise im Rahmen des Aktionsprogramms. Planmäßig fielen dadurch Verstärkerzüge in der Hauptverkehrszeit aus.
  • RE 6: Auch auf der RE 6 kam es 2025 zu einer deutlichen Zunahme an Ausfällen. Hier wurden im Rahmen des Aktionsprogramms eine Reihe von Nachtfahrten aus dem Angebot genommen.
  • Hohe Ausfallwerte auch beim RE 7: Auch hier wurden im Rahmen des Aktionsprogramms eine Reihe von Nachtfahrten aus dem Angebot genommen.
  • RE 8: Hier belastete die wiederkehrende Dauerbaustelle zum Ausbau der S 13 zwischen Troisdorf und Bonn Beuel / Oberkassel das Zugangebot. Somit kann der Großteil der Ausfälle im Jahr 2025 auf Baumaßnahmen zurückgeführt werden, während der Anteil der personalbedingten Ausfälle im Jahr 2025 deutlich zurückging.
  • RE 9: Auch das Zugangebot der RE 9 war 2025 vom Aktionsprogramm betroffen. So wurden Verstärkerzüge in der Hauptverkehrszeit zwischen Köln und Siegen aus dem Fahrplan genommen.

Etwa 57 % der RE-Ausfälle im Jahr 2025 sind direkt auf Baumaßnahmen zurückzuführen (2024: 43 %, 2023: 58 %). Etwa 5 % der RE-Ausfälle sind 2025 nicht vorhersehbar aufgrund fehlenden Zugpersonals ausgefallen (2024: 34 %, 2023: 23 %). Zu den personalbedingten Ausfällen kamen 2025 weitere etwa 26 % Zugausfälle hinzu, die auf die geplanten Leistungsreduzierungen (Aktionsprogramm) bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 zurückzuführen sind. Diese Maßnahmen betrafen die Linien RE 4, RE 6 und RE 7.

RB-Linien – Deutliche Steigerung der Zugausfälle im Jahr 2024, leichte Korrektur im Jahr 2025

  • Besonders auffällig: RB 48. Bereits im Jahr 2023 gab es viele Ausfälle aufgrund diverser Bauarbeiten im Raum Köln-Bonn, in erster Linie am elektronischen Stellwerk (ESTW) Köln. Im Jahr 2024 gab es auf der RB 48 über 40 % Zugausfälle und im Jahr 2025 knapp unter 40 %. Hintergrund war erneut das intensive Baugeschehen (mit weitem Abstand vor anderen Ursachen wie Personalmangel und Infrastrukturstörungen).Stellwerksarbeiten führten immer wieder zu Sperrungen bzw. zu einer eingeschränkten Streckenverfügbarkeit zwischen Köln und Bonn. Die RB 48 war die Linie, die in diesem Zusammenhang am stärksten von Ausfällen betroffen war. Im Jahr 2025 kam ein deutlicher Anstieg an Zugausfällen durch geplante Leistungskürzungen (Aktionsprogramm) hinzu. Im Rahmen des Aktionsprogramms wurden Verstärkerfahrten zwischen Köln und Bonn sowie Fahrten an Wochenenden zwischen Köln / Brühl und Bonn gestrichen.
  • Ebenfalls hohe Werte auf der RB 25: Die Brückeninstandsetzung zwischen Gummersbach und Lüdenscheid führte bis April 2024 zu hohen Zugausfällen. Zudem können etliche Zugausfälle auch auf Stellwerksarbeiten am Kölner Hbf zurückgeführt werden. Die Ausfallwerte auf der RB 25 gingen jedoch seit 2023 sukzessive zurück.
  • RB 30: Deutliche Zunahme an Zugausfällen im Jahr 2024.Aufgrund der Arbeiten am Stellwerk Bad Godesberg fiel die Linie zwischen Remagen und Bonn im Zeitraum Januar bis März 2024 komplett aus. Im Jahr 2025 gab es ebenfalls hohe Ausfallwerte. In erster Linie sind diese auf Bauarbeiten zwischen Bonn und Remagen im Januar und Februar 2025 zurückzuführen, als die RB 30 ausfallen musste und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde.
  • RB 27: Die wiederkehrende Dauerbaustelle zum Ausbau der S 13 führten bei der RB 27 zu hohen Zugausfällen zwischen Troisdorf und Linz.

Etwa 53 % der RB-Ausfälle im Jahr 2025 sind direkt auf Baumaßnahmen zurückzuführen (2024: 65 %, 2023: 68 %). Etwa 2 % der RB-Ausfälle sind 2025 nicht vorhersehbar aufgrund fehlenden Zugpersonals ausgefallen (2024: 20 %, 2023: 18 %). Zu den personalbedingten Ausfällen kamen 2025 weitere etwa 14 % Zugausfälle hinzu, die auf die geplanten Leistungsreduzierungen (Aktionsprogramm) bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 zurückzuführen sind. Diese Maßnahmen betraf ausschließlich die Linie RB 48. 

S-Bahn: Rückgang der Ausfälle – mit Ausnahme der S 23

  • Für Jahr 2025 kann eine Konsolidierung der Ausfälle auf der S-Bahn Rheinlandauf weiterhin hohem Niveau festgestellt werden. Die Ausfälle waren 2023 und 2024 noch in erster Linie personalbedingt. Für 2025 waren vorhersehbare Störungen, aufgrund von Baumaßnahmen mit etwa 60 % der wichtigste Ausfallgrund, gefolgt von Infrastrukturstörungen und anderen externen Einflüssen.
  • Höhere Ausfallwerte sind im Jahr 2025 auf der S 23 festzustellen. 97 % der Ausfälle resultierten seit Juni 2025 aufgrund von Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Strecke und Gleisarbeiten.
  • Sehr hohe Ausfallwerte gab es im Jahr 2023 auf der S 6. Durch die Baustelle Leverkusen Chempark – Langenfeld zwischen März und Juni 2023 und aufgrund weiterer Streckenarbeiten zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf im 2. Halbjahr 2023 kam es auf der S 6 zu einem Anstieg der Zugausfälle auf fast 70 Prozent. Zudem führte Personalmangel im Zeitraum Januar bis April 2023 zu einer kompletten Einstellung des Südastes der S 6 sowie zu einer anschließenden Bedienung in ausgedünntem Takt. 

Etwa 63 % der S-Bahn-Ausfälle sind im Jahr 2025 direkt auf Baumaßnahmen zurückzuführen (2024: 38 %, 2023: 61 %). Lediglich 2 % sind auf fehlendes Zugpersonal zurückzuführen (2024: 28 %, 2023: 23 %). Das Aktionsprogramm wurde im S-Bahn-Bereich nicht angewendet.

 

Hier finden Sie die letztjährigen Berichte zum Thema Zugausfälle zum Downloaden: